An dieser Stelle veröffentlicht Peter Helmes regelmäßig kritische Kommentare zu Themen, die in den Medien selten, gar nicht besprochen oder verzerrt dargestellt werden.

 

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Dr. Wolfgang Thüne,  

früherer ZDF-Wetterexperte, ist den Deutschen Konservativen eng verbunden. Er schreibt für unser DEUTSCHLAND-Magazin und veröffentlicht hier regelmäßig seine Kolumne „Oppenheimer Werkstatt für Wetterkunde“. Wissenschaftlich fundiert und spannend zu lesen.
 

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Mit dem Euro hat Lettland ein Ticket für die Titanic 

Deutscher Journalist, Buchautor und ehemaliger Politiker – Joachim Siegerist – glaubt, dass eine zweite Welle in der Finanzkrise bereits in diesem Jahr zu erwarten ist. „Die Einführung des Euro in Lettland ist der schwerste politische Fehler seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit“ – behauptet der deutsche Vertreter des öffentlichen Lebens mit lettischen Wurzeln – Joachim Siegerist. In den 1990er Jahren war er in Lettland politisch aktiv gewesen. Etwas später verließ er Lettland und kehrte in seine Heimatstadt – Hamburg – zurück. Seitdem unterstützt er durch Spenden unser Land: Bis heute hilft Joachim Siegerist bedürftigen Menschen in Lettland, u. a. den Bewohnern in Stalgene. Seit vielen Jahren hat Siegerist alle Interview-Wünsche von lettischen Medien abgelehnt. Für unsere Zeitung hat er eine Ausnahme gemacht.

 

Interview aus der größten russisch-sprachigen Zeitung im Baltikum: mehr dazu... 

  

Hier der übersetzte Originaltext: 

Frage 1: Wie bewerten Sie die Mitgliedschaft Lettland in der Euro-Zone? Die Behörden sagen, daß es das wirtschaftliche Wachstum fördert.

 

Antwort: Die Einführung des Euro in Lettland ist der schwerste politische Fehler seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Förderung der lettischen Wirtschaft? Die Einführung des Euro und die Abschaffung ihrer nationalen Währungen hat zum Beispiel Portugal, Spanien und Italien die größte Arbeitslosigkeit seit Ende des II. Weltkrieges gebracht. Lettische Politiker glauben, daß der Euro mit dem orientalischen Märchen „Aladin und die Wunderlampe“ zu vergleichen ist. Dreimal an der Wunderlampe reiben – und dann erscheint der gute Geist, der alle Wünsche erfüllt. Aber bald wird es heißen „Die Geister, die ich rief, die werd ich nicht mehr los“. Für den Euro hat Lettland ein Ticket auf der Titanic gekauft!

 

Kapital hat selten Moral. Arbeitsplätze – oft zu Hungerlöhnen – werden dort geschaffen, wo sie wenig kosten. Aber Lettland ist nicht Kambodscha oder Bangladesh. Für gute Arbeit muß es auch guten Lohn geben.

 

Ich kenne kein überzeugendes Argument, wieso der Euro ein besseres Leben und Investitionen bringen soll. Das sind Wunschträume. Ich rechne langfristig eher mit Preiserhöhungen bei Lebensmitteln und anderen Produkten. Reiche werden dann noch reicher, Arme noch ärmer.

 

Frage 2: Wann kommt die nächste Euro-Krise? Was halten Sie von einer noch engeren EU-Föderation?

 

Antwort: Die Euro-Krise ist längst noch nicht überwunden. Sie wird bereits in diesem Jahr neu aufflammen. Vor allem durch die Schwäche der französischen Wirtschaft. Und auch die Finanzkrise in Griechenland ist längst noch nicht beendet. Künftig wird auch Lettland für die Schulden der Griechen zahlen müssen. Das verschweigen lettische Politiker gern. 10 Flaschen Wein stehen auf dem Tisch. Darunter vielleicht drei sehr edle Tropfen. 7 Flaschen aber sind billiger Tafelwein. Die Politiker gießen alle Flaschen in einen großen Bottich und behaupten dumm-dreist: „Jetzt ist der gesamte Wein so gut – wie vorher die edlen Tropfen allein“. Das kann nur ein sehr dummer Mensch glauben.

 

Am Anfang hätte eine politische Einigung und wirtschaftliche Angleichung aller europäischen Staaten stehen müssen. Erst danach eine gemeinsame Währung. Europa ist nicht Amerika. Europa ist – Gott sei gelobt – ein buntes und vielschichtiges Europa der Vaterländer mit vielen, vielen Unterschieden und Kulturen.

 

Frage 3: Wie lange wird Deutschland noch die europäischen Krisenstaaten finanzieren?

 

Antwort: Deutschland ist in Europa-Fragen immer schnell in die Kniee zu zwingen. Da genügt schon der Hinweis auf den II. Weltkrieg und die tief in deutschen Köpfen verwurzelte Schande des Rassenwahns – und Kanzlerin Merkel wird sehr klein und zahlt weiter. Deutschlands Wirtschaft ist stabil und die Ausbildung der arbeitenden Menschen sehr gut. Aber trotzdem hat Deutschland mehr Schulden als nach dem verlorenen II. Weltkrieg. In guten Zeiten wurde das Steuergeld nicht für schlechtere Zeiten gespart. Da sind sich alle Politiker – egal wo – einig: Sie schmeißen das Geld zum Fenster hinaus wie betrunkene Seeleute ihre Heuer in der ersten Nacht.

 

Frage 4: Kann Brüssel europäische Länder zwingen, Flüchtlinge aus der Dritten Welt zu übernehmen?

 

Antwort: Ich finde es richtig, wenn Deutschland vom Islam bedrohte Christen und Juden aufnimmt, die um ihr Leben fürchten müssen. Ich finde es aber falsch, daß wir zum Beispiel berufslose Zigeuner aus Rumänien und Bulgarien aufnehmen, bei denen Kinder mit Schlägen zum Betteln „dressiert“ werden und die inzwischen zum deutschen Stadtbild gehören. Die Aufnahme von Menschen, die in ihrer Heimat aufgrund ihrer Religion, der politischen Auffassung wegen oder aus anderen Gründen verfolgt werden – das ist nicht nur eine deutsche Sache, sondern eine Aufgabe ganz Europas. Ansonsten halte ich es immer für besser, wenn man den Menschen in ihrer Heimat hilft und sie nicht ihrer Identität beraubt.

 

Frage 5: In wieviel Jahren kann Lettland Deutschlands Lebensstandard erreichen?

 

Antwort: Deutschland wurde vor 25 Jahren wiedervereinigt. Das war wie ein Geschenk Gottes. Aber im Osten Deutschlands, also in der einstigen DDR, da ist der Lebensstandard auch nach einem Vierteljahrhundert noch deutlich hinter dem im westlichen Teil Deutschlands zurück. Die Menschen in Lettland haben viel Kraft – aber ein Lebens-Niveau wie in Deutschland? Das kann noch volle viele Jahrzehnte dauern. Deutschland ist kein Paradies. Auch dort nimmt die Armut zu, vor allem bei den Älteren.

 

Frage 6: Wie kann die Abwanderung der Bevölkerung aus armen Ländern in wohlhabendere Länder gestoppt werden?

 

Antwort: Eine ganz zentrale Frage: Ich habe nicht auf dem Rigaer Domplatz gejubelt, als Lettland der EU beitrat und die Freizügigkeit für Arbeitnehmer kam, weil mir klar war, daß viele qualifizierte Menschen nun das Land verlassen werden.

 

Kurzfristig ist dieses Problem für keinen lösbar. Am Anfang müßte aber eine bessere Berufsausbildung stehen, und da kann Lettland wirklich von Deutschland lernen. Für jedes Handwerk gibt es in Deutschland spezielle und kostenlose Schulen. Egal ob Bäcker, Gärtner, Friseur oder Kraftfahrzeug-Mechaniker. Jeder muß mindestens drei Jahre lernen und gleichzeitig eine Berufsschule besuchen. Die Deutschen nennen das „duales Ausbildungssystem“. Es ist wirklich einzigartig in der Welt – und vor allem diesem System verdankt Deutschland seine wirtschaftliche Stärke.

 

Frage 7: Bedauern Sie es, die lettische Politik verlassen zu haben?

 

Antwort: Nein. Denn ich würde längst auf dem Friedhof liegen. Ich verrate Ihnen jetzt ein bislang gehütetes Geheimnis: Wie Sie wissen, stand ich in den „Neunzigern“ in Lettland kurz vor der Regierungsbildung, die nur durch Stimmenkauf verhindert wurde. Ich sollte Vize-Premier und Wirtschaftsminister werden. Aber wichtiger: Ich bestand auf einer Anti-Korruptions-Polizei, die mir unterstehen sollte. Ich wußte aber genau, daß auch in „meiner“ Regierung unanständige Politiker saßen, die sich auf Kosten der armen Menschen bereichert, gestohlen hatten und korrupt waren. Einzelne waren käuflich wie Prostituierte im Bordell. Ich wollte bei der ersten Sitzung des neuen Kabinetts von der Anti-Korruptions-Polizei den Sitzungssaal umstellen lassen und alle „Banditen“ so lange ins Gefängnis stecken, bis sie das den Menschen geraubte Geld wieder zurückgegeben haben. Europa hätte von einem neuen „Diktator“ geschrieen und die Mafia in Lettland hätte mich nach wenigen Tagen erschossen oder mit einem Betonblock an den Beinen in der Daugava versenkt.

 

Ich bin mehr Journalist als Politiker und ich bin meinem Herrgott dankbar dafür, daß ich bis heute in Lettland vielen, vielen Menschen in Not helfen darf. Gott hat mir „nur“ zwei Talente geschenkt. 1. Ich kann schreiben und formulieren. 2. Ich kann mit guten Worten für gute Zwecke guten Menschen in Deutschland das Geld aus der Tasche ziehen. Ich bin zum Helfen auf die Welt gekommen. In der Politik hätte ich noch mehr helfen können. Nur darum habe ich mich für Politik interessiert.

 

Frage 8: Unsere Leser möchten gern mehr über Ihre Bücher wissen. Arbeiten Sie schon wieder an einem neuen Buch?

 

Antwort: Früher habe ich Bücher geschrieben – um Geld zu verdienen. Das muß ich nicht mehr. In Deutschland gibt es ungefähr – ich weiß nicht genau – 25 verschiedene Siegerist-Bücher mit fast 2 Millionen Auflage. Heute schreibe ich nur noch aus Liebe zum Journalismus und veröffentliche jedes Jahr vor Weihnachten ein neues Buch. Dabei habe ich aber immer den „Hintergedanken“ im Kopf „Vielleicht kannst Du mit diesen Texten die Menschen ja doch ein wenig bessern – auch wenn ich selber alles andere als ein Engel bin."